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Ein Maître, den “man erleben muss”

Ricarda Kotter in der WP vom 22.08.2008

Auf der Internetseite des Schlossrestaurants sind folgende Zeilen zu finden: “Man kann ihn nicht beschreiben, man muss ihn erleben!”. Gemeint ist Werner Humme – seit 32 Jahren Maître im Schlossrestaurant.

Werner Humme (59) ist seit 32 Jahren Vollblutkellner im Hohenlimburger Schloss-Restaurant. Dabei arbeitete er einst als Maler und Lackierer.

Werner Humme (59) ist seit 32 Jahren Vollblutkellner im Hohenlimburger Schloss-Restaurant. Dabei arbeitete er einst als Maler und Lackierer.

“Ist der Hund ein Problem, Herr Humme?”, ruft ihm ein Gast von weitem entgegen. Werner Humme schaut sich den kleinen Yorkshire Terrier an, schüttelt den Kopf und sagt: “Nein, kommen Sie nur herein”. Freundlich, aufmerksam, aber trotzdem zurückhaltend, fast schüchtern, wie es seine Art ist.

Dass er einmal als Maître die Gäste begrüßen würde, war ihm bei seinem ersten Besuch im Schlossrestaurant nicht klar. Damals, im wunderschönen, beständigen Sommer 1976, hatten ihn seine Saunakumpels überredet, ins neu eröffnete Feinschmeckerlokal mitzukommen, obwohl er eigentlich gar nicht so richtig wollte. “Da geh ich nicht rein”, hatte er noch kurz zuvor beteuert.

“Doch der Abend wurde schließlich doch ganz nett”, erinnert sich Werner Humme. Gemeinsam genossen die Saunafreunde die gemütliche Atmosphäre bis in die laue Nacht hinein. Dabei kam man mit dem neuen Restaurant-Betreiber Wolfgang Lindekamp ins Gespräch, der just zu diesem Zeitpunkt tüchtige Aushilfen suchte.

Spontan entschloss sich Werner Humme, der damals als Maler und Lackierer-Geselle bei einem angesehenen Hohenlimburger Malerbetrieb arbeitete, umzusatteln. Zunächst nach Feierabend als Aushilfe, ab dem 1. August 1976 als Vollzeitkraft. “Meine Eltern waren fassungslos”, gibt der 59-Jährige zu.

Das Fachwissen eignete sich Werner Humme während vieler Seminare an. “Professionalität ist in diesem Beruf sehr wichtig”, betont der Maître, den sein Chef Wolfgang Lindekamp einmal als “Naturtalent” bezeichnet hat.

Bereut hat Werner Humme seinen Seitenwechsel nie. “Es macht mir immer noch Spaß – auch wenn es mal stressig ist”, sagt der Vollblutkellner, der das Wiedererblühen des Schlosses hautnah miterleben durfte. Jeden Tag gebe es neue Überraschungen und neue Geschichten, traurige und lustige zu erleben.

“Eine Zeit lang trafen sich bei uns regelmäßig sehr vornehme Bridgedamen”, erzählt der Maître. Irgendwann einmal sei einer der Damen der Inhalt ihrer Handtasche auf den Boden gefallen. Als sie ihre Habseligkeiten wieder einsammelte, habe sie auch eine große saure Gurke, die einem der Kellner versehentlich vom Teller gefallen war, in ihre Tasche gestopft. Als sie und mit ihr die übrigen Bridgedamen das sauer riechende Gemüse in der Tasche fanden, wurde lange gerätselt, wie die Gurke wohl in die Tasche gelangt sein könnte.

Die verrücktesten Hypothesen seien damals aufgestellt worden, von einem bösen Streich bis hin zu beginnender Senilität. “Die schlichten Hintergründe sind aber bis heute nicht aufgeklärt”, lacht Werner Humme noch immer sehr herzlich.

Wenn es seine Freizeit zulässt, dann geht der Maître gemeinsam mit seiner Frau wandern. Vor allem Südfrankreich hat es ihm angetan. “Dort ist es wunderschön”, sagt Werner Humme. An so etwas wie Ruhestand hat der 59-Jährige allerdings noch keinen Gedanken verschwendet, so sehr ist er mit dem Schloss und dem Schlossrestaurant verbunden. Er schätzt die gute Küche, die Wolfgang Lindekamp zaubert, gibt allerdings auch zu, dass er nicht jeden Tag wie ein Gourmet speisen könne. “Manchmal muss es bei uns zu Hause auch Eintopf sein”, sagt der Maître. “Am allerliebsten esse ich aber Kuchen”, lacht Werner Humme. “Jede Art und egal in welcher Form”.

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